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Hans Beletz

Atelier:
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Hans BeletzHans Beletz

 

  

 
 

Diese Portrait wurde von der Zeitschrift Campus, zwei Tage nach einer Vernissage in Fürstenfeld im Jahre 1995 gemacht.

In unserer Besprechung der Ausstellung in "Campus f" Nr. 27 (Sept. 94) fassten wir unsere Eindrücke am Schluss folgendermaßen zusammen:
"In summa: Ganz selten kommt dieser Maler dem Betrachter mit freundlicher Buntheit entgegen. Meist nimmt er sich in den Farben extrem zurück. Und zwar in einer Art und Weise, die leise, aber spürbare Spannung erzeugt. In seinen besten Stücken schwingt verhangene Melancholie und stille Nachdenklichkeit."

Am Samstag, den 28. Mai 1994 saßen wir im Club-Zimmer des Hotel Hitzl dem Mann gegenüber, der mit scheinbar flüchtigen Strichen und sparsamen Farben Stimmung und Charakter einer Landschaft so fein auszudrücken vermag, und baten Ihn, von sich, seiner Arbeit und seinem Leben, zu erzählen.

Hans Beletz ist am 30. Mai 1954 (unser Gespräch fand also zwei Tage vor seinem 40. Geburtstag statt) in Graz- St. Peter geboren und aufgewachsen. Der Vater war Schmied (wie der Vater Franz Wiesers), die Mutter Hausfrau. Hans war, nach seiner um zwei Jahre älteren Schwester Elfriede, das zweite Kind der Familie. Drei weitere Schwestern entstammen der zweiten und dritten Ehe der Mutter.

"Mein Vater", erzählt Hans Beletz, "hat die Familie verlassen, als ich noch eine Baby war, hat sich jedoch auch weiterhin stark um mich gekümmert. Noch jetzt haben wir eine gute Verbindung: Morgen zum Beispiel treffe ich mich mit ihm zum Essen."
Nach der Volksschule und der Hauptschule beginnt er mit 15 Jahren die Berufsschule, die ihn zum Einkleidungskaufmann ausbilden soll. Wie so häufig zeigt sich auch bei ihm das künstlerische Talent sehr früh.

"Als Kind von zehn Jahren", schmunzelte Hans Beletz, "machte ich mein erstes Auftragswerk, für einen Geschäftsmann." Mit 16 nimmt er an einem inter-nationalen Talentwettbewerb in Zeichnen teil, und die Jury ermunterte ihn, sich ganz auf die künstlerische Tätigkeit zu konzentrieren. Das möchte Hans Beletz auch. Aber da greift der Vater energisch ein: Der Bub soll seinen Beruf fertig erlernen und etwas Ordentliches werden.

Das tut der auch. Sein zweites musisches Hobby jedoch lässt er sich nicht nehmen - das Gitarrenspiel, das er seit seinem 15. Lebensjahr betreibt. Er kennt und bewundert den um zwei Jahre älteren Gert Steinbäcker, der im selben Bezirk zu Hause ist und den er bei einem Auftritt beim "Stern-Wirt" in St. Peter mit Thomas Spitzers Band "Mephisto" hört.
Natürlich spielt auch Hans Beletz in verschiedenen Musikgruppen, zum Beispiel bei den "Red Devils", und probt mit ihnen in diversen Kellern. Der einzige öffentliche Auftritt, bei einem Bandwettbewerb im Kammersaal vor 900 Zuhörern, wird eine herbe Enttäuschung: Ihre Band erreicht den letzten Platz.

Mit 18 Jahren (das Gitarrenspiel in Musikgruppen findet so sein natürliches Ende) schließt er die dreijährige Berufsschule ab und wird im Grazer Bekleidungshaus "Der Herr" Verkäufer, später auch Einkäufer und Filialleiter. 1980 (er ist jetzt 26 Jahre alt) trennt er sich von seinem Arbeitgeber und wird selbständiger Handelsreisender für Karl Heinz Strohmeiers "San Remo". Das bringt ihn natürlich herum. Von diesem Jahr an datieren auch Beletz´ Aufenthalte in Venedig, Florenz, in der Toskana, in Südtirol und in Paris. Geschehen aber muss es in Oberösterreich.

"Dort", erzählt Hans Beletz, "bin ich damals viel unterwegs gewesen. Und eines Tages im Herbst 1981, immer stärker beeindruckt von der Weite der Landschaft, hat es mich wieder gepackt: Ich will das malen!"
Es ist sicher kein Zufall, dass der Handelsreisende damals gerade das Buch "Die Wiener Werkstätte" liest. Weitere Kunstbücher, Besuche in Galerien und Museen lassen ihn künstlerische Vorbilder finden, an denen er sich zunächst orientiert: Emil Nolde, Raoul Dufy, Wilhelm Thöny und Kurt Moldovan.
Bald nach der ersten Versuchung spürte der junge Mann, dass ihm diese Betätigung etwas gibt, was ihm der "äußerliche" Beruf nicht geben kann und nie gegeben hat: geistiges und seelisches Leben. Seine Malerei wir zur Besessenheit: "Ich habe so intensiv gemalt, dass ich kaum Zeit zum Essen fand. Tag für Tag. Es war der helle Wahnsinn, wie sich meine Freunde ausgedrückt haben."

Schwierigkeiten mit seiner Firma sind die Folge. Karl Heinz Strohmeier ermahnte ihn: Herr Beletz, Sie haben ja nur mehr die Malerei im Kopf; Sie müssen sich bald entscheiden - entweder Sie malen, oder Sie arbeiten für mich.
Es ist das Jahr 83, das für Hans Beletz die Entscheidung bringt. Entscheidendes passiert genug. Die Mutter stirbt ("mit 50 Jahren sehr früh"). Die Familie im Haus St. Peter löst sich auf. Hans Beletz gibt seinen hochbezahlten Beruf auf. (Die Freunde: "Er ist wahnsinnig. Bei 100.000 Schilling Brutto im Monat! Wahnsinnig!"). Und malt und malt und malt. Jetzt besucht er auch Kurse. Abendkurs im Aktzeichnen und Aquarellmalerei bei Frau Metz. Im Sommer ("besonders wichtig") belegt er einen Aquarellkurs in Salzburg bei Prof. Claus Pack. Und hat seine erste Ausstellung im Grazer Café Schillerhof, die der Galerieleiter Bernhard Eisendle für ihn durchführt.

Die Kritik reagiert erstaunt und respektvoll. Die Kronenzeitung vom 15.Juli 1983: "Hans Beletz zeigt fast ausschließlich Aquarelle. Bäume, Baumgruppen - jene der niederösterreichischen und burgenländischen Ebenen - sind des Künstlers Lieblingsthemen. Mit müd- dekadenten Lilanuancen und Gold zaubert er sie auf das edle Bütten, sauber und ansprechend. Das kleine Format, überhöht durch die Weite des weißen Passepartouts, wird bewusst eingegrenzt, um den Eindruck von Kostbarkeit zu steigern. Und als dekorative Miniaturen kann man denn auch Beletz hingedupfte und schwungvoll hingeschriebene Stimmungsaquarelle bezeichnen."

Heribert Schwarzbauer in der "Kleinen Zeitung" vom Dienstag, den 19 Juli 1983: " Beletz bekennt sich zu Meistern wie Turner, Cézanne, Thöny, Moldovan und Hardil, denen er sowohl den unbefangenen Blickauf die Landschaft, als auch deren auf Dynamik konzentrierte Wiedergabe, meist im Aquarell, verdankt; einer kürzlich erschienen Broschüre Impressionen ist zu entnehmen, dass Hans Beletz seine optische Poesie auch durch Wortlyrik ansprechend zu ergänzen vermag.

Unter "T.S." in der Tagespost vom 17. Juli : "Er malt hauptsächlich abstrakt, und doch wirken seine Landschaften gegenständlich. Kleinformatig und ansprechend, sensibel, mit einem enormen Farbgefühl und einer explosiven Streuwirkung der Farben, haben seine Bilder einen ganz besonderen Reiz:"

Nur: Nach einem halben Jahr unentwegten Malens fordert die Realität der Lebenskosten ihren Tribut, und Hans Beletz fasst mit seinem Standbein wieder Fuß in der Textilbranche. Und 1985 ist er wieder "ganz normaler" und ganztägig Verkäufer im Modehaus "Brühl & Söhne".

Ab 1986 leitet er bei "Knilli KG" das Armani Geschäft, und von 1988 bis 1992 arbeitete er in der Herrenbekleidung des Hauses "Don Gil". "Jedes Mal aber", betont Hans Beletz, "wenn ich wo gekündigt habe, habe ich mir ein paar Monate Zeit genommen, ehe ich eine neue Anstellung bekam, um Luft zum Malen zu bekommen".

das bezeugt auch die Liste seiner damaligen Ausstellungen: 1984 Schloss Gamlitz; 1985 Schloss Kornberg; 1986 Galerie Moser, Graz; 1987 CA- Galerie Leoben; 1988 Galerie Karlshof, München; 1990 Galerie im Kursalon Mödling; Galerie Moser, Graz; Galerie Maya Nishijama, Kassl.
"Meine ersten sieben Maljahre", erklärt uns der Künstler, "war ich eigentlich Schüler. Schüler meiner Vorbilder. Von einen eigenen Stil in meinen Bildern möchte ich erst ab dem Jahre 1987 sprechen."

das war das Jahr in der Ausstellung in der CA- Galerie in Leoben. Und die "Obersteirische Zeitung" vom Dienstag den 3. Februar zitiert Beletz bei der Eröffnung, "Dass es ihm um die Konzentration auf das Wesentliche, um die Selbstbeschränkung der Mittel (Linien und Farben) geht, um in spontaner Wiedergabe zu künstlerischer Ausdruckskraft zu finden."

Und drei Jahre später bestätigt "RZB" in der "Kleinen Zeitung" vom Freitag, den 23 Februar 1990 Beletz´ Datierung seiner künstlerischen Selbstfindung uns gegenüber:
"Nun zeigt die Grazer Galerie Moser, die den Künstler immer schon förderte, ein halbes Hundert lavierte oder aquarellierte Tuschzeichnungen, die seit 1988 entstanden sind und sehr schön zeigen, wie Beletz sich freigezeichnet hat: seine Lieblingsstädte und Landschaften wie Venedig und Budapest, die Toskana und das steirische Unterland werden ausgesprochen malerisch anvisiert und gestaltet".

"Ja", meint Hans Beletz, "diese Ausstellung in der Grazer Galerie Moser war eigentlich die erste Ausstellung in einem guten Haus. Andreas Lendl, der Geschäftsführer, übrigens gemeinsam mit mir in St. Peter aufgewachsen, hatte 5.000 Einladungen verschickt! Ich war nach der Eröffnung eine Zeitlang unterwegs, und als ich zurückkomme, eines Abends, gehe ich in die Ausstellung, um nachzusehen, ob etwas verkauft worden war. Es war wie ein Wunder: Auf fast allen Bildern klebten die roten Verkauft- Pickerln.

Heute werden jährlich etwa fünf Ausstellungen mit Bildern von Hans Beletz gestaltet, und vertreten wird er durch ein Dutzend namhafter Galerien in ganz Österreich und Deutschland. Sein berufliches Standbein hat er heute im Modehaus "Johan" seines Freundes Heinz Steinberger.
"Nur habe ich mir, wie ich das schon seit 1989 bei Don Gil tat, herausgenommen, ausschließlich zu den geschäftlichen Stosszeiten am Wochenende zu arbeiten. Die übrige Zeit gehört meiner Malerei und der Familie."

Hans Beletz, der mittlerweile Eingang in das Lexikon "Die österreichischen Maler des 20. Jahrhunderts" von Heinrich Fuchs gefunden hat, heiratete im April 1991 Elisabeth Kompatscher aus Völs am Schledern in Südtirol und ist Vater zweier Kinder.

Wie er eigentlich auf Fürstenfeld gekommen ist?
"Im Zuge eines Thermalbadbesuches spazierte ich eines Tages durch Fürstenfeld und lese an einem Haus die Aufschrift "Fronius Kabinett". Nun, da ich Arbeiten von Hans Fronius seit jeher bewunderte, lasse ich mich in den ersten Stock des Alten Rathauses führen. Anschließend, beim Verlassen des Gebäudes, mache ich einen Sprung in die Galerie und falle vor Staunen fast um. Mein Gott, wenn ich in diese wunderbaren Räumlichkeiten meine Bilder hängen könnte, denke ich mir, und eine Frau verweist mich aufs Stadtamt. Zufällig ist auch der Kulturreferent Franz Majcen da. Ich stelle mich vor, und er sagt: Ich kenne ihre Bilder von der Galerie Moser, wo sie ja ständig im Fenster sind.
Sie gefallen mir!
Wenn Sie wollen, machen wir in unserer Galerie eine Ausstellung. - Für mich kam das fast ein bisschen über-fallsartig, da ich bis August mit Terminen eingedeckt war. Aber Herr Majcen hat ein bisschen Druck gemacht und mir den 26. Mai sozusagen unter die Nase gehalten. Das war gut so. Denn ich brauche Druck. - Und das war’s!"

Bleibt nur noch zu erwähnen, dass Hans Beletz seit 1991 selbst Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene gibt. Und zwar in Schwaz in Tirol. Natürlich im Aquarellieren.

Zuletzt noch eine Frage: Wir haben bei der Ausstellung das Buch "Im Lichte der Wahrheit" von Abd-ru-shin herumliegen gesehen, dessen Bedeutung für Gerhard Veitsberger wir bereits kennengelernt haben. Welche Bewandtnis hat es mit diesem "Herumliegen"?

Da nickt Hans Beletz recht ernsthaft:
"Ich habe Ihnen ja schon erzählt, dass Bücher in meinem Leben ein großes Gewicht haben. Ich lese viel über Buddha und Laotse zum Beispiel. Künstler-Literatur sowieso. Momentan lese ich liebend gerne in Stefan Zweig. Auch Hermann Hesse gehört zu meinen Lieblingen. Auch Goethe, ein bisschen. Aber wirklich entscheidende Bedeutung hatte "Im Lichte der Wahrheit" für mich, dass ich unmittelbar nach dem Tod meiner Mutter zu lesen begann.
Sehen Sie, ich war Katholik wie viele andere. Ich war sogar Ministrant und gern in der Kirche. Dann aber fiel mir dieses Buch mit seiner selbständigen christlichen Botschaft in die Hände, das in meinen Augen sehr realitätsbezogen ist und einem den Gedanken nahe legt, sich auch geistig nicht in einer Herde mitzubewegen, sondern sich in aller Aufrichtigkeit zu seiner Individualität zu bekennen und danach zu suchen, was einem persönlich weiterbringt oder einem persönlich Freude bereitet. Und das ist für mich die Kunst.
Und weil mir das Buch von Oskar Ernst Bernhard, wie Abd-ru-shin mit seinem bürgerlichen Namen hieß, so viel gegeben hat, habe ich es auch in die Ausstellung gelegt: Vielleicht interessiert es jemanden?"

Aufrichtigkeit und Freunde. Das scheinen zwei Begriffe zu sein, die im Selbstverständnis von Hans Beletz und in seiner Kunst ein besonderes Gewicht haben. Als wir von seinen Vorbildern sprachen, meinte er: "Ich hatte das Glück, ein Gespür zu haben für Qualität. Für gute Sachen. Für aufrichtige Sachen."

Vor Vier Jahren hat Hans Beletz in einem Interview gesagt:
"Meine Bilder möchten Visitenkarten sein. Visitenkarten der Lebensbejahung, des Positiven und Schönen."

Und 1987, im Jahr seiner Selbstfindung in der Kunst:
"Ich male Dinge, die mir Freude bereiten. Ich male aus Freude!"
Max J. Hiti


 

 

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